Anders gesehen ...

Das Münchner Oktoberfest - das Original

Das Münchner Oktoberfest zu rühmen, weltweit Vorbild für über 2000 Nachahmer gleichen Namens zu sein, hieße Feldafinger auf d'Wiesn zu tragen. Für Auswärtige: Der Feldafinger war der traditionelle Steinzeug-Maßkrug mit Sollbruchstelle im Henkel ( --> Bierzeltrauferei) der wegen des traditionellen Schankbetrugs längst verboten ist - siehe: Das Wunder von der Verwandlung eines Hektorliter Märzenbieres in mindestens 120 Maß. Die Wies'n, wie das überdimensionierte Sauffest von den letzten Eingeborenen Münchens genannt wird, ist mit etwa sechs Millionen Besuchern das größte Volks-Fest der Welt. Im September wird das Oktoberfest insbesondere für Amerikaner, Italiener, Japaner und Zugereiste zelebriert. Es findet auf einem innenstadtnahen Brachland mit autobahnbreiten Asphaltstraßen statt. Dieses Stück München steht als Theresienwiese im Stadtplan (--> Geschichte des Oktoberfests).

Eröffnet wird "d'Wies'n" mit dem für Nichtbayern nahezu unaussprechlichen Kampfruf "O'zapft is", obwohl er korrekterweise "o'zockt werd" lauten müsste. Dann beginnen die Schlacht um einen neuen Schankrekord und der fast aussichtslose Kampf um einen Sitzplatz in den als Zelte bezeichneten temporären Bierweihestätten. Wer bei den jährlichen, traditionellen Erhöhungen der ohnehin überhöhten Preise noch schlucken kann, beruhigt seinen Magen und so entsteht der Hendlfriedhof aus dürrem Federvieh von der Stange. Oder es gibt durstfördernde "Steckal-Fisch", die schon lange nicht mehr in urbayerischen Gewässern der Fischer Vroni ins Netz gegangen sind, oder Fett triefende Ochs'n-Semmeln, von Rindviechern am Spieß, die dem Besucher mit Vornamen vorgestellt werden. Hinuntergespült wird das Ganze mit einer oder mehrerer Mass Bier, serviert vom gestandenen – und zu bewundernden – Wiesn-Personal.

Ob man’s mag oder nicht, das Oktoberfest ist aus München nicht mehr wegzudenken. Und so heißt es, zwei Wochen lang einen Bogen um die Wiesn zu machen – und auf öffentliche Verkehrsmittel weitgehend zu verzichten – oder gute Miene zum bösen Spiel zu machen und sich ins Vergnügen zu werfen. Denn lustig ist es ja doch immer wieder, auf der Wiesn.

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen